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Seid willkommen Freunde, vor einer Reihe von Jahren habe ich das Angebot einer gewissen Immobilienkanzlei genutzt. Auf ihrem Wege habe ich dann eine geräumige Immobilie gekauft. Ich erinnere mich, dass man mir eine detaillierte Fotografie des Objektes gesendet hat und ich mich sofort entschieden habe. Bald übergab mir der Postzusteller ein Päckchen und darin fand ich ein Schlüsselbund. Auch wenn das außergewöhnliche Handeln der Agenten seltsam war, bin ich losgefahren, um mein neues Umfeld zu besichtigen. Obwohl ich zwei Karten mitgenommen hatte, habe ich mich etwas verirrt und kam einige Stunden später am Ort an. So langsam wurde es dunkel. Es war ersichtlich, dass das geräumige, gliedrige und atypische Haus aus Stein schon lange verlassen stand. Abseits der frequentierten Zivilisation hat es nur schwer seinen Käufer gefunden. Das Objekt, das ich vorfand, war bewundernswert, genauso wie sein Preis, der nicht hoch war. Vielleicht hat das Haus Interessenten nicht nur dank seines finsteren Aussehens, sondern auch aus praktischen Gründen wie Heizung oder Putzen dutzender Fenster abgestoßen. Vielleicht war auch ich zu voreilig, jagte es mir durch den Kopf. Außerdem, hinter den Wänden des verwahrlosten Gartens mit verwilderten Obstbäumen lag ein geschlossener Friedhof. Aber ich glaube nicht an Geister und das Objekt entsprach genau meiner Vorstellung von Ruhe, die ich für meine Arbeit suchte. Das Interieur des Hauses war im Großen und Ganzen gut erhalten, praktisch angeordnet. Nur die Zeit hatte die Möbel mit Staubschichten versehen. Ich begab mich also auf Erkundung. Ich bestreite nicht, dass in bestimmten Teilen des Hauses nicht der Staub auf einem fiel, sondern einen auch ein aufdringliches Angstgefühl befiel. Der Höhepunkt der Überraschung wartete aber in den Kellerräumen. Am Ende eines langen Gangs stand eine schwere Panzertür. Als es mir gelang sie wegzuschieben und den geklemmten Daumen zu bepusten, erschien vor mir zu meiner Überraschung eine geräumige steinerne Werkstatt. Sie kam mir vor wie ein vorweltlicher Atomschutzbunker. Ich blinzelte eine Weile ins Zwielicht und dann musste ich meine Handhalogenlampe anmachen, weil der Raum keine Fenster hatte. Anschließend zuckte ich vor Schreck zusammen. Im Lichtkegel erblickte ich auf einem Marmorpult eine Reihe irgendwelcher kaskadenartig aufgestellter Menschenköpfe. Sie guckten ziemlich dumm vor sich her. Es waren aber keine Köpfe, wie ich ursprünglich angenommen hatte, sondern verstaubte Gummirepliken menschlicher Gesichter. Es waren Masken. Ich habe in meinem Leben nichts Ähnliches gesehen. Sie waren wie lebende. Einige hatten Haare und eine der Masken eines älteren Mannes schaute stumpf durch eine starke Brille. Das Panoptikum wirkte im Licht der Lampe grauenerregend. Als ich mich vom Schrecken erholte, untersuchte ich dieses ganz geheimnisvolle Studio, das, wie sich zeigte, weitere Eingänge in kleinere Räume hatte. Überall Spinnenweben und darunter Gegenstände, die ich nicht kannte. Das Ganze erinnerte mich an ein Kabinett eines wahnsinnigen Doktors. Besonders, als ich auch falsche Hände, Garnituren künstlicher Gebisse und verschiedene weitere den menschlichen Körper imitierende Teile fand. Alles war sorgfältig in schwarzen Schubladen eines langen Pultes mit Spiegeln aufbewahrt. Auf dem Boden lang ein massiver Bücherschrank, die mit der Zeit umgefallen war. Eine Menge Bücher und Fachliteratur ist zusammen mit zerschlagenem Glas vor einer Reihe von Jahrzehnten auf den Fußboden auseinander geflogen. Dieses Papier. Ich watete durch die Literatur und eine unwirkliche Menge an Mäusekötteln bis zur Wand. Hier war in die Wand ein Niettresor eingebaut. Die Tür war offen. Ich sah hinein und erblickte ein rechteckiges Etui aus Kupfer. Ins Etui war sorgfältig eine weitere Maske hineingelegt. Schauderhaft, kahlköpfig, aschgrau. Sie wirkte unangenehm. War ganz lederartig. Als wenn sie schlafen würde. Sie erinnerte mich an eine antike Statue, aber umgekehrt. Als Spott klassischer Schönheit. Eine Erscheinung mit vollkommener Hässlichkeit. Als ich meine Erkundung beendete, trug ich das Etui mit der bewundernswerten Maske in eins der Bäder, das zu den gegebenen Möglichkeiten am saubersten war. Vorsichtig wischte ich die Maske ab und bestimmter Befangenheit setzte ich sie mir zögernd auf den Kopf. Sie passte mir wie angegossen. Am Scheitel drückte mich etwas, aber sobald ich den Mäuseköttel aus der Maske klopfte, war alles OK. Als ich mich im Spiegel erblickte, erschreckte ich mich. Mein eigenes Gesicht verschwand vor meinen Augen. Es blieb überhaupt nichts davon übrig. Aus dem Spiegel grinste mich ein gespenstiger Kerl an. Bestie, Gespenst. Fast hätte ich mich gegrüßt. Ich kam darauf, wer im Haus gelebt hat. Ja. Er war es. Fantomas. Internationaler Verbrecher und Meister der Verkleidungen, nach dem Schriftsteller Romane schrieben und Filmmacher ihre Krimis filmten. Es bestand kein Zweifel. Der kahle Schädel einer monströsen Maske ermöglichte ein einfaches Aufziehen und das Abnehmen weiterer Gesichter. Also gab es ihn wirklich. Der Bunker im Keller war sein geheimes alchimistisches Labor. Bei der anschließenden Rekonstruktion besichtigte ich das ganze Haus. Man fand sogar zwei Geheimausgänge. Einer mündete hinter der Wand des Hauses auf dem Friedhof – unter einem Granitgrabstein. Der zweite war bereits verschüttet und endete in der Erde. Aber eine weitere Spur vom ursprünglichen Eigentümer fand man nicht. Ich wendete mich ans Immobilienbüro, das mich nach der Veröffentlichung der Nachfrage angesprochen hatte, aber es gab es nicht. War wie vom Erdboden verschwunden. Bis heute ist es ein unbeantwortetes Geheimnis. Des Rätsels Krönung war dann die Summe, die ich für das Haus investierte, die auf mein Konto zurückkam. Die Summe, die später als Kapital für ein Unternehmen diente, dass sich allmählich in meinem Kopf abzeichnete. Fantomas verschwand. Er hinterließ mir aber seine Arbeitsinstrumente, die er benutzt hatte. Ich erwägte, wie ich mit diesem Geschenk verfahren werde. So entstand der Gedanke, die Öffentlichkeit an den Masken teilhaben zu lassen. Im Jahr 1990 baute ich eine Manufaktur von Gummigesichtern nach den ursprünglichen gefundenen Rezepturen auf und knüpfte so auf moderne Art und Weise an die beachtenswerte Tradition an.  Dein neues Gesicht kannst du aus dem Angebot von hunderten Markendesigns erstklassiger professioneller Qualität auswählen. Dank des sorgfältigen Systems der Gesellschaft für zugängliche Finanzmittel und von jeglichem Ort dieses Planeten. Ich bin ein Mann mit hundert Gesichtern. Mein wahres Gesicht erkennst du aber nicht. Meine Maske habe ich nie vor abzunehmen. Meine Werke, die ich geschaffen habe, die lege ich jetzt auf dem Wege meiner Assistenten der Gesellschaft Greyland Film vor. Auf ein baldiges Wiedersehen
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